Ein Besuch, der zum Albtraum wurde
Es war über ein Jahr her, seit ich Minto, den Hund meines Onkels Ferenc, das letzte Mal gesehen hatte. Damals war er voller Energie – er sprang herum, wedelte mit dem Schwanz und überschüttete mich mit Zuneigung. Doch diesmal brach mir der Anblick das Herz.
Seine Rippen traten deutlich hervor. Seine Augen waren verkrustet. Seine Pfote zitterte, als er versuchte aufzustehen. Er war knöcheltief im Schlamm angekettet und zu schwach, um auch nur zu bellen.
Als ich meinen Onkel fragte, ob er ihn fütterte, grinste er nur. „Er bekommt die Krümel“, sagte er beiläufig und hob sein Schnapsglas, als wolle er damit anstoßen.
Eingesperrt
Ich hielt es nicht mehr aus. Ich öffne das Tor, um nach Minto zu sehen, in der Hoffnung, seine Kette wenigstens zu lockern oder ihm die Augen abzuwischen. Da hörte ich das Zuschlagen. Das Schloss klickte hinter mir.
„Wenn du ihn so unbedingt willst“, sagte Ferenc kalt, „dann bleib doch dort bei ihm.“
Ich erstarrte, als er zum Haus zurückging und mich mit einem hungernden Hund im Gehege zurückließ. Doch als ich Minto ansah, sah ich keine Bedrohung – nur Leid. Ich sank auf die Knie und flüsterte: „Ich bin jetzt hier. Wir werden eine Lösung finden.“
Durch die Nacht
Mit Sonnenuntergang sank die Temperatur. Ich hatte kein Telefon, keinen Ausweg und weit und breit keine Hilfe. Minto zitterte an mir, auch zog ich meine Jacke aus und legte sie ihm um. Er leckte mir einmal die Hand – schwach, aber voller Vertrauen. Das reichte, um mich am Leben zu erhalten.
Die ganze Nacht blieb ich wach und hielt ihn im Arm, während er hustete und wimmerte. Am Morgen wusste ich, dass ich uns da rausholen musste.
Befreiung
Ich suchte jeden Winkel des Zauns ab, bis ich ein verrostetes, unten nach außen gebogenes Blech fand. Stundenlang trat und zog ich, bis das Metall nachgab. Ich zwängte mich hindurch, schrammte mir die Seite auf und ging dann zurück, um Minto zu holen.
Er war federleicht – viel zu leicht für einen Hund seiner Größe. Ich trug ihn auf dem Arm, vorbei am verschlossenen Tor, am leeren Hof vorbei, direkt ins Haus. Mein Handy lag noch auf der Küchentheke. Ich habe eine Nachricht verschickt: „Ruft die Polizei. Ferenc hat mich mit dem Hund eingesperrt. Ich hole ihn raus.“