„Nein. Früher war ich Arzt.“
Er erzählte ihr seine Geschichte. Vor vielen Jahren war er ein angesehener Arzt in der Stadt gewesen. Doch bei der Behandlung eines kranken Mädchens hatte er einen Fehler gemacht. Das Mädchen starb – und sie war die Tochter eines mächtigen Beamten.
Yusha verlor alles: seinen Beruf, sein Haus und seinen Ruf. Um der Wut der Menschen zu entkommen, verließ er die Stadt und lebte als Bettler.
Als Zainabs Vater ihm die Ehe mit seiner Tochter anbot, nahm er an, weil er dachte, vielleicht könnten zwei verlorene Menschen ein neues Leben beginnen.
„Als ich von dir hörte“, sagte er, „dachte ich, wir sind beide von der Welt vergessen.“
Die Jahre vergingen.
Die kleine Hütte wurde zu einem schönen Haus mit einem Garten voller duftender Kräuter. Zainab kannte jede Pflanze durch Berührung und Geruch.
Yusha behandelte weiterhin Menschen aus der Umgebung, während Zainab ihm half und die Patienten beruhigte.
Eines Tages kam ein alter Mann zu ihrem Haus. Seine Schritte waren langsam und müde.
Zainab erkannte seine Stimme sofort.
Es war ihr Vater.
Er hatte sein Vermögen verloren und war nun arm und allein. Als er ihren Namen sagte, klang seine Stimme schwach:
„Zainab…“
Es war das erste Mal, dass er sie beim Namen nannte.
Zainab schwieg einen Moment. Sie erinnerte sich an all die Jahre der Einsamkeit. Doch in ihrem Herzen war kein Hass mehr.
Ruhig sagte sie:
„Du kannst bleiben.“
Sie gab ihm ein kleines Zimmer neben ihrem Haus.
In dieser Nacht saß ihr Vater im Garten und hörte, wie Menschen kamen, um Zainab und Yusha für ihre Hilfe zu danken.
Da verstand er endlich seinen Fehler.
Die Tochter, die er einst für eine Last gehalten hatte, war zu einer starken und großzügigen Frau geworden.
Später stand Zainab am Fluss und hielt Yushas Hand.
„Ich habe die Welt nie mit meinen Augen gesehen“, sagte sie leise.
„Aber jetzt fühle ich, dass ich wirklich darin lebe.“
Yusha lächelte und antwortete:
„Manchmal sehen diejenigen, die nicht mit den Augen sehen, die Welt am klarsten mit ihrem Herzen.“