Ich war der Schrecken der Schule. Mein Name ist Sebastião. Mein Vater war Politiker, meine Mutter besaß eine Kurhotelkette. Ich hatte die teuersten Turnschuhe, das neueste iPhone und genoss eine tiefe Einsamkeit in unserer von hohen Mauern umgebenen Villa.
Mein Lieblingsopfer war Tomás. Tomás war ein Stipendiat. Er trug eine abgetragene Uniform, ging immer mit gesenktem Blick herum und brachte sein Mittagessen in einer zerknitterten, fettfleckigen braunen Papiertüte mit.
Jeden Tag in der Pause spielte ich ihm denselben „Scherz“ vor. Ich riss ihm die Tasche aus den Händen, sprang auf einen Tisch im Hof und rief:
„Mal sehen, welchen Dreck der Prinz der Slums heute mitgebracht hat!“
Tomás reagierte nicht. Er stand einfach nur da, mit leerem Blick, und flehte stumm darum, dass es endlich vorbei sei. Ich holte das Essen heraus (manchmal eine angeschlagene Banane, manchmal kalten Reis) und warf es unter dem Gelächter aller in den Müll. Dann ging ich ins Café, um mir eine Coxinha und ein Getränk von meiner Flatrate-Karte zu kaufen.
An einem grauen Dienstag beschloss ich, die Demütigung noch zu steigern. Ich riss ihm die Tasche aus der Hand. Sie war leichter als je zuvor.
„Na ja, heute ist es sonnig. Was, Tomás? Kein Geld mehr für Reis?“, spottete ich.